Heute hören Sie den zweiten Teil der Doppelfolge, in dem Sie endlich darüber aufgeklärt werden, warum ich Ihnen letzte Woche ein Märchen erzählt habe.
Sollten Sie die letzte Folge verpasst haben, hören Sie sich diese unbedingt vorher hier an, damit Sie meinen Gedankengängen an dieser Stelle besser folgen können.

Dass es in meinem kleinen Märchen um

delegieren

ging, haben Sie mit Sicherheit schon im Kopf gehabt. Hier also die gesamte Auflösung der Parabel.

König, Grafen und Bürger

Die Hierarchie, das heißt, konkret die Bewohner des ganzen Landes, spiegeln die Firma mit ihren unterschiedlichen Führungsebenen und Mitarbeitern wieder. Ein Käfig voller Ungeheuer braucht jeweils einen Verantwortlichen zum Bewachen. Der König als Kopf des Landes beschließt also, weitere Käfige herzustellen und an seine Grafen zu verteilen, die wiederum an ihre Untergeben delegieren, um schließlich mehr Kapazitäten zur Bewältigung der Gefahren zu bekommen. So müssen auch in Firmen Aufgaben und Projekte delegiert werden. Achtung: Jeder Graf und auch Bürger kann persönliche Präferenzen haben.
Dann wird die Parabel etwas komplizierter.

Drachen und Affen

Sie sind, wie bereits in Episode 71 - Moderne Drachen besprochen, die Projekte. Die einzufangenen Affen hingegen stellen die alltäglicheren Aufgaben dar. Drachen und Affen haben die Eigenschaft, dass sie beim Weitergeben nach unten größer werden. Sie können unterschiedliche Farben haben, unterschiedliche Charaktere UND sie werden kleiner, je länger sie in Käfigen verharren. Wenn Aufgaben also länger in Bearbeitung sind, werden sie leichter zu bewältigen sein, weil die Bearbeiter immer erfahrener und effizienter werden.

Käfige

Schließlich sind da noch die Käfige, welche ein Symbol für die Zeit sind, die wir zur Verfügung haben. Diese Zeit ist NICHT variabel. Mehr Zeit für den Beruf einzusetzen ist weder das Ziel noch der Weg zum Ziel. Natürlich ist zwischen den Monstern in dem Käfig etwas Luft, aber das ist natürlich und darf auch so bleiben.

Delegieren, Priorisieren, Eliminieren

Als Graf, also Führungskraft, haben wir drei ganz wichtige Aufgaben zu erfüllen, die eng miteinander verknüpft sind. Das Delegieren, worum es heute geht, ist unerlässlich. Sie können nicht alle Aufgaben selbst erledigen, sondern müssen geeignete Leute finden, die diese Aufgaben für Sie erledigen, damit Sie sich mit den richtig großen Drachen und Affen auseinandersetzen können.

Dazu müssen Sie überlegen, welche Aufgaben Sie nach unten delegieren können. Ein wichtiges Kriterium zum Priorisieren: Erfolg. Wie schon so oft (zum Beispiel in der Reihe zum Umgang mit Chefs, die hier beginnt) erwähnt, wird Ihr Erfolg einzig und allein von Ihrem Vorgesetzten bewertet. Also machen Sie doch besser die Aufgaben, mit denen Sie von ihm als besonders wertvoll erachtet werden. Spaß sollte ein geringes Kriterium darstellen… Was in dem Fall passiert, hörten Sie im Märchen.

Vergessen Sie bitte nie das Eliminieren von Aufgaben. Oft schleichen sich Prozesse in Firmen ein, die vor 20 Jahren unglaublich wichtig waren, heute aber nur benötigten Platz im Käfig beanspruchen. Lassen Sie so kleine und unbedeutende Aufgaben ziehen.

 

Achtung vor Delegationsfehlern!

  1. Schlechte Führungskräfte behalten alle Aufgaben bei sich und delegieren gar nicht erst. Sie glauben, sie wären ihre besten Mitarbeiter und könnten alles selbst erledigen. Falsch gedacht, denn wer erledigt dann die großen Drachen / Projekte? Mehr Zeit und größere Käfige werden Ihnen nicht zur Verfügung stehen.
  2. Ganz, ganz wichtig ist auch, dass Sie Folgendes bedenken: Komplexitätswachstum bei Delegation. Die Monstren sind um ein vielfaches gewachsen, wenn sie weitergegeben wurden. Eine für Sie selbstverständliche und schnell zu erledigende Aufgabe kann von Ihren Mitarbeitern ganz anders wahrgenommen werden und dort zu Komplikationen führen oder mehr Zeit in Anspruch nehmen.
  3. Delegieren Sie in die richtige Richtung. Hätte der König die Käfige bei einem gewöhnlichen Schmied oder gar einem Koch in Auftrag gegeben, hätte das ganze Land untergehen können, bevor eine Lösung gefunden worden wäre.

Haben Sie eine wunderschöne Woche
Ihr OLAF DAMMANN