Wenn Führung in Schockstarre verfällt
Wochenlang wird über ein Notizblock-Tool diskutiert, Meetings werden einberufen, Prototypen gebaut. Doch bei der Personalentscheidung – die Jahre nachwirkt – geht alles plötzlich ganz schnell. Solche Szenen erleben wir täglich in deutschen Unternehmen. Die Logik? Fehlanzeige 😊
Professor Fredmund Malik bringt es auf den Punkt: Wer nicht entscheiden kann, ist keine Führungskraft. Punkt. Doch bevor Sie überhaupt eine Entscheidung treffen, sollten Sie eine fundamentale Frage klären: Liegt das Problem wirklich in Ihrem Einflussbereich oder nur in Ihrem Interessenbereich?
Die Matrix, die alles verändert
Entscheidungen lassen sich entlang zweier Achsen einordnen: Umkehrbarkeit und Tragweite. Diese 2×2-Matrix schafft vier Bereiche, die völlig unterschiedliche Handlungsstrategien erfordern.
Unten links – leicht umkehrbar, kleine Tragweite: Das ist Ihr Geschwindigkeitssektor. Projektupdate-Formulierungen, Tool-Benennungen, Routinezeug. Ihre Regel hier: Allein machen, sofort entscheiden oder wegdelegieren. Wer dafür Meetings einberuft, ist das Problem.
Oben rechts – schwer umkehrbar, große Tragweite: Die echten Führungsentscheidungen. Cloud oder On-Prem? Monolith oder Microservices? CEO-Einstellung? Hier gilt: Niemals aus dem Bauch heraus. Die Arbeit liegt in der Vorbereitung und Umsetzung – nicht in der Entscheidung selbst.
Ihre Goldgrube wartet auf Sie
Oben links – leicht umkehrbar, große Tragweite: Das ist Ihr Karriere-Turbo 🚀. Pilotkunden auf neue Prozesse setzen, Proof of Concepts starten, Releases mit Absicherung. Diese Projekte haben Sichtbarkeit, wirken im Unternehmen – und Sie können sie zur Not korrigieren.
Schlagen Sie sich um diese Bereiche. Bauen Sie sie zur Not selbst. Wenn Sie konstant derjenige sind, der mit Flaggschiff-Projekten durchs Unternehmen strömt, werden Sie zur unverzichtbaren Führungskraft.
Unten rechts – schwer umkehrbar, kleine Tragweite: Die Falle. Mündliche Zusagen, die Sie nicht zurücknehmen können. Tools ohne Exportfunktion. Fragen Sie immer: Komme ich hier wieder raus? Und zu welchem Preis?
KI als Sparringspartner, nicht als Entscheider
Künstliche Intelligenz kann Entscheidungen hervorragend vorbereiten – aber niemals abnehmen. Nutzen Sie LLMs, um Optionen zu entwickeln, blinde Flecken aufzudecken, Postmortems durchzuspielen. Trainieren Sie Ihre KI darauf, Ihnen die Lampe in dunkle Ecken zu halten.
Doch Vorsicht: “ChatGPT hat gesagt” ist keine Ausrede. Die Verantwortung bleibt bei Ihnen. Immer.
Geschwindigkeit ist das neue Groß
In einer Welt, die sich immer schneller dreht, gilt: Bei kleinen, umkehrbaren Entscheidungen zählt Tempo. Bei den großen Würfen zählt Gründlichkeit. Und bei allem gilt: Eine nicht umgesetzte Entscheidung zeigt, dass Sie eine schwache Führungskraft sind.
Definieren Sie also nicht nur, was Sie entscheiden wollen – sondern was Sie erreicht haben wollen. Nur das ist überprüfbar. Nur das führt zur Umsetzung.
Bleiben Sie in Führung
Ihr Olaf Kapinski 🙂