Tätigkeit, Aufgabe, Ziel: In vielen Unternehmen werden diese drei Begriffe synonym verwendet und leider auch synonym gedacht. Ein LeadershipStar hat mich gebeten, das einmal sauber auseinanderzuziehen. Dahinter steckt mehr als Semantik: Wer die Begriffe vermischt, verwechselt am Ende den Job mit der Richtung.
Der Auftrag ist die Nulllinie
Der Auftrag ist das, was Sie bekommen haben. Das, was auf der Visitenkarte steht: Head of IT, also IT bereitstellen, vereinbart per Handschlag, Zusage oder Vertrag. Ein Auftrag ist Hygiene. Das Bild dazu: ein vertikaler Nullstrich, links alles, was nach Exit aussieht, rechts alles, was Beförderung ist, und genau auf der Linie liegt der Auftrag. Wer ihn nicht erreicht, für den wird irgendwann das HR-Gespräch angesetzt.
Und eine Warnung an alle IT-Verantwortlichen: Wer sich auf Infrastruktur bis Layer 7 zurückzieht, kegelt sich ins Abseits. Dann sind Sie der IT-Hausmeister, und Hausmeister sind nicht businesskritisch.
100 Prozent Verfügbarkeit, ganz sicher?
Anfang der 2000er habe ich meine erste IT strukturiert, es ging um SLAs. Ich fragte die Fachbereiche, welche Verfügbarkeit ihre Systeme brauchen. Antwort ausnahmslos: 100 Prozent. Die Frage war legitim. Der naive Teil kam später: Ich habe die Systeme tatsächlich so ausgelegt. Kein einziges erreichte die Marke annähernd, Hoffen und Beten gelten nicht als IT-Maßnahmen.
Die Lösung waren Servicezeiten: 100 Prozent Verfügbareit zwischen 5 Uhr morgens und Mitternacht. Die fünf Stunden dazwischen reichten für Windows-Patch-Gedöns, Windows NT und Windows 2000, und für Backups. Die Aufgabe lautete 100 Prozent. Das Ziel der Fachbereiche: in Ruhe arbeiten. Vor 6 Uhr kam ohnehin niemand, um 20 Uhr waren fast alle weg.
Damit sortiert sich das Trio: Tätigkeiten sind das, was Ihre Leute tun, um den Auftrag zu erfüllen. Die Aufgabe ist das, was abzuliefern ist. Das Ziel ist das, wohin Sie wollen.
Strategie zeigt nach vorne
Eine Strategie beantwortet, wie Ihr Bereich in drei, vier, fünf Jahren aussehen soll. Mehr als fünf Jahre halte ich für illussorisch, alles im Monatsbereich ist Quatsch und bestenfalls ein größer gemachtes Ziel.
Meine Lieblingsübung: ein grünes Feld, ein Koffer voll Golddublonen, keine gewachsene Infrastruktur. Wie würden Sie Ihre Aufgabe neu aufbauen? Wann haben Sie zuletzt geprüft, wie viele Ihrer Admins ein Hermes-Docker-Container ersetzt?
Und falls Ihr Chef keine Idee von Innovation hat, freuen Sie sich: Dieser Platz wird vakant. Jede Geschäftsführung, die ich kenne, denkt über IT nach und hat im Zweifel schlicht Angst. Wer dann der einzige erwachsene Gesprächspartner ist, steht gut da. Strategie entsteht übrigens nicht nebenbei, sonst wird sie inkonsistent oder oberflächlich.
Seit Covid ist das Einzige, was stetig ist, der Wandel. Wer zurück will dahin, wo es schön war, sollte sagen, wann das gewesen sein soll. Vor 2008? Vor dem Mauerfall? Erfolg schaut nach vorne und adaptiert die neuen Möglichkeiten auf den eigenen Auftrag. Also: Entwickeln Sie Ihre Strategie, zum Nutzen von Kunden und Unternehmen, in dieser Reihenfolge.
Bleiben Sie in Führung
Ihr Olaf Kapinski 🙂