610 Prozesse bauen ist Ihr Hauptjob

Wenn Ihr Kalender voll ist mit operativen Rückfragen, die nur Sie beantworten können, dann haben Sie ein schlechtes System aufgebaut, oder gar keins. Das ist keine Kritik, das ist eine Einladung. Denn wenn Sie schuld sind, können Sie es auch lösen.

Die unbequeme Wahrheit über Führung

Fredmund Malik beschreibt es in seinem Buch Führen, Leisten, Leben im kürzesten Kapitel des gesamten Werkes: Der Auftrag von Führungskräften ist es, Systeme und Regelwerke zu bauen. Nicht irgendwann, nicht nebenbei, sondern als Hauptjob.

Der Satz “Du musst dich selbst überflüssig machen” kursiert auf LinkedIn in jeder zweiten Coach-Grafik. Was dabei fast immer fehlt, ist das Fundament dahinter: Regelwerke, die Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befähigen, operative Entscheidungen selbstständig zu treffen.

Was passiert, wenn das Regelwerk fehlt

  • Ihre Leute entscheiden nicht, weil sie schlechte Erfahrungen mit Entscheidungen gemacht haben
  • Sie sitzen im Meeting, statt zu führen
  • Sie sind der Bottleneck, nicht das Problem Ihrer Mitarbeiter
  • Ihre Leute treffen falsche Entscheidungen, weil das Regelwerk unklar ist, nicht weil sie es wollen

Wer reflexartig sagt “mit meinen Leuten geht das nicht”, dem stelle ich die Frage: Wer hat die eingestellt? Und wer hat sie in den letzten Jahren nicht entwickelt?

So bauen Sie Regelwerke, die wirklich wirken

Starten Sie mit dem, was Malik “organisiern” nennt, und was ich als Poorman’s Automation beschreibe: Eine einfache Textdatei auf dem Desktop. Punkt 1, Punkt 2, Punkt 3. Fertig.

Dann folgen diese Schritte:

  • Bedarf identifizieren: Wo läuft es gerade am schlechtsten? Was steht am häufigsten in Ihrem Kalender?
  • Prozess definieren: Textdatei, dann Wiki, dann Strukturen wie Schleifen und Bedingungen, wenn nötig
  • Tool erst zuletzt: Automatisierung kommt, wenn der Prozess klar ist, nicht davor

Ein Prozess beginnt übrigens nicht mit “du tust”, sondern mit “du erreichst”. Ziel zuerst, Weg danach. 🎯

Die richtige Frage an Ihr Team

Statt zu fragen “Was fehlt dir noch?” besser so formulieren: “Was sind die zwei Punkte in diesem Regelwerk, bei denen du am ehesten Rückfragen hättest?” Diese Umformulirung öffnet das Gespräch, statt es zu schließen.

Ihr neues Selbstverständnis als Führungskraft

Eine Führungskraft, die sich als Feuerwehrmann definiert, hält potenziell zehn Leute auf. Das ist kein Heldenmut, das ist strukturelles Versagen.

Ihr Job ist nicht, der beste Admin im Raum zu sein. Ihr Job ist es, die besten Admins so produktiv zu machen, dass sie ohne Sie entscheiden können.

 

Bleiben Sie in Führung
Ihr Olaf Kapinski 🙂