Episode 600 des LEBEN-FÜHREN Podcasts widmet sich einer Frage, die immer häufiger gestellt wird: Warum wollen junge Menschen keine Führungsverantwortung mehr übernehmen? Die Antwort ist unbequem, aber notwendig.
Wir sind schuld
Die aktuelle Generation von Führungskräften und Eltern hat ein Imageproblem geschaffen. Die wenigsten Menschen kennen wirklich gute Chefs. Was hören Kinder am Abendbrottisch? Selten glitzernde Begeisterung über die Arbeit, sondern eher Beschwerden über “Doofkörper” und unfähige Vorgesetzte. Die ersten Beleidigungen lernen Kinder oft im Kontext von Gesprächen über die Firma.
Hinzu kommt eine zunehmende Abneigung der Konzerne gegenüber ihren Mitarbeitern. Der alte Deal – “wir sind gut zur Firma und die Firma ist gut zu uns” – wird immer offener aufgekündigt. Mitarbeiter werden als austauschbare Kostenfaktoren behandelt, die beim nächsten Quartalsbericht problemlos wegrationalisiert werden können.
Drei Arten von Menschen werden gebraucht
Trotz KI und Automatisierung werden wir weiterhin Menschen brauchen, und zwar in drei Kategorien:
Die Empathen
Menschen, die mit anderen Menschen in stressigen Situationen umgehen können. Im Vertrieb, am Telefon mit verärgerten Kunden, im Coaching. Ein LLM findet nur heraus, was Sie ihm geben – ein empathischer Mensch kriegt Dinge raus, die Sie noch gar nicht bewusst formuliert haben.
Die KI-Operatoren
Leute, die Geschäftsprozesse sehen, verstehen und in IT-Systeme übersetzen können. KI bedeutet im ersten Schritt Automatisierung, und Deutschlands größtes Problem ist, dass fast nichts automatisiert ist. Wir brauchen Menschen, die den Business-Prozess verstehen und auf eine Plattform heben können – immer mit Blick auf den Kundenmehrwert, nicht auf Arbeitsplatzabbau.
Die Entscheider
Führungskräfte, die wirklich entscheiden. Eine Führungskraft, die nichts entscheidet, könnte man auch durch ein simples Skript ersetzen. Wer nicht entscheidet, ist keine Führungskraft. Diese Menschen müssen sowohl mit Systemen als auch mit Menschen umgehen können – sie sind die Verknüpfung zwischen beiden Welten.
Die Lösung: Raus aus dem Konzern?
Konzerne haben Entscheidungsunfähigkeit institutionalisiert. Tausende von Abhängigkeiten, Bullshit-Jobs und Prozesse machen echte Veränderung fast unmöglich. Wer wirklich etwas bewegen will, findet im Mittelstand deutlich bessere Bedingungen – auch wenn das oft mit Gehaltseinbußen verbunden ist.
Eine noch radikalere Option: Vielleicht müssen Sie nicht in den Mittelstand gehen, sondern können sich Ihren neuen Arbeitgeber kaufen. Über 100.000 Firmen in Deutschland stehen in den nächsten vier Jahren vor dem Nachfolgeproblem. Das können nicht alles Schrottkandidaten sein.
Führung kann man lernen
In allen Fällen gilt: Führung kann man lernen. Die meisten schlechten Chefs sind nicht böswillig – sie können es einfach nicht besser. Sie wurden auf den Chefsessel gesetzt wie ein Azubi aufs Dach, ohne jemals gelernt zu haben, wie man einen Dachstuhl baut.
Wir sind alle gefangen in unserem Geist. Sie kommen alleine dahin, wo Sie jetzt sind. Alles Weitere brauchen Sie jemanden, der Ihnen hilft, der die richtigen Fragen stellt, der neue Perspektiven aufzeigt. Anders geht es schlicht nicht.
Webinare
Bleiben Sie in Führung
Ihr Olaf Kapinski 🙂
Episodenverweise:
- Natürlich der komplette KI-Snack
- Die Weber und die Dampfmaschinen: 588 Die Angst vor der Maschine – damals und heute 1/2 & 591 Die Angst vor der Maschine – damals und heute 2/2
- Demografie/Nachwuchsmangel/Fachkräftemangel: 414 Gedanken zum Fachkräftemangel