616 Wer bei KI wartet, macht die Nokia

Die Schlagzeilen des letzten Jahres waren eindeutig: KI-Projekte hätten nichts gebracht, kein Umsatz, kein Effekt, nichts. In dieser Episode widerspreche ich diesem entschieden, aus zwei Gründen. Erstens: Ein strategisches Projekt, das neue Geschäftsbereiche aufbaut, muss nicht im ersten Jahr Geld einbringen. Diese Messlatte ist Humbug. Zweitens enden viele KI-Vorhaben als stabile Automatisierung, weil das Problem deterministisch ist. Im Fragebogen steht dann bei „KI im Einsatz” eine Null, obwohl das Projekt ein gigantischer Erfolg war. Gemessen wird schlicht das Falsche.

Der Unterschied zu SAP-Projekten

Die großen SAP-Migrationen der letzten 20 Jahre sind teils spektakulär geplatzt, der große deutsche Einzelhändler rollte zurück auf sein selbst gebautes System. Die Ursache lag in hochoptimierten, undokumentierten Prozessen, die eine Migration schlicht unmöglich machten, die Technologie aus Walldorf traf wahrscheinlich keine Schuld. Und trotzdem gilt: Scheitert eine Migration, läuft das bestehende System weiter. Teuer, peinlich, Köpfe rollen, aber die Firma überlebt.

Diese Logik auf KI zu übertragen, ist der eigentliche Fehler. Wer sagt „wir probieren mal, und wenn es nicht klappt, läuft der Laden ja weiter”, übersieht den Kernpunkt der Episode: Der Laden läuft dann eben nicht mehr weiter.

Nokia, 9. Januar 2007, Apple stellt das iPhone vor. Nokia hält zu diesem Zeitpunkt ein Drittel bis die Hälfte des Handymarkts, der Gewinn liegt 2007 bei 7 Milliarden Euro. 2008 sind es nur noch 3,9 Milliarden, danach geht es rasant abwärts 📉.

Oder DeepL aus Aachen: lange die Instanz für Übersetzungen, heute erledigen das die LLMs nebenbei. Das IPO-Fenster Ende 2023 wurde verpasst, seitdem werden Scherben zusammengekehrt.

Den BlackBerry Film von 2023 kennen Sie? Sehenswert!

Geschwindigkeit ist der neue Parameter

Windows 95, 98, XP: Major Releases kamen im Abstand von Jahren. Heute erscheinen Frontier-Modelle im Wochentakt, ChatGPT 5.6 und 6 innerhalb weniger Wochen, Moonshots Kimi springt von 2.5 über 2.7 auf 3.0, Anthropic zieht mit Mythos 5 nach , heute Fable 5.1 nach. Microsoft konnte das Internet damals komplett verschlafen und trotzdem aufholen, weil die Entwicklungszyklen langsam waren. Diese Gnadenfrist exisitiert nicht mehr. Ihre Konkurrenz sitzt eine IP-Adresse entfernt, im Extremfall ein einzelnes Genie im Keller, das den ganzen Tag Agentenschwärme orchestriert. Was wir uns heute vorstellen können, ist in wenigen Jahren Standart. Noch vor einem halben Jahr galt das Handwerk als sicher, seit der Olympiade humanoider Roboter in China gilt auch das nicht mehr.

Was Sie jetzt tun können

  • Stellen Sie Ihr Unternehmen selbst infrage, bevor es jemand anderes tut. Das ist Chefsache und nicht delegierbar.
  • Suchen Sie sich Leute, mit denen Sie rumspinnen können: Was könnten wir dem Kunden bieten, wenn Betriebsrat und Bedenkenträger kein Argument wären?
  • Fangen Sie an zu iterieren. Probleme umschiffen Sie, sobald der Mehrwert stimmt. Doch Sie müssen die Landkarte kennen, um zu entscheiden, welche Inseln Sie besetzen wollen.

„Wir warten erst mal ab, wohin sich der Markt entwickelt.” Ziemlich genau der Satz, den der Nokia-Vorstand 2007 auch gesagt hat. Wie Sie KI konkret ins Unternehmen bringen, zeigt das aktuelle Webinar auf LEBEN-FÜHREN.

 

Bleiben Sie in Führung
Ihr Olaf Kapinski 🙂