Vertrauen entsteht nicht von allein
Führen handelt von Vertrauen. Ohne Vertrauen bewegt sich nichts mehr, sobald Sie nicht mehr hinschauen. Wer stattdessen mit Druck führt, zahlt drauf, dauerhaft und teuer, wie im Kalten Krieg, als ganze Staatshaushalte in Waffen flossen, die man Jahrzehnte später wieder verschrotten musste. Vertrauen baut sich über Interaktion auf, über die Zeit. Das beste Werkzeug dafür bleibt das One-on-One, wie es die Jungs vom Manager Tools Podcast beschrieben haben: eine halbe Stunde pro Woche, pro Mitarbeiter, niemals ausfallen lassen.
Der Einwand, den ich zu oft höre
Immer wieder sagen mir Führungskräfte, deren Team seit Jahren im selben Keller sitzt: Wir kennen uns, wir vertrauen uns, wir brauchen das nicht. Klingt vernünftig. Ist es aber nicht, aus drei Gründen.
Spontankontakt ersetzt keinen Regeltermin
Ein Spontankontakt entsteht fast immer aus einem Anlass, etwas brennt, jemand hat sich beschwert. Das ist dringend, nicht zwingend wichtig. Ein Regeltermin dagegen schafft Raum für das, was wichtig ist, aber nie von selbst zur Tür reinkommt: die unangetastete Weiterbildungsplanung, die schleifende Performance seit drei Wochen, die Reisekostenpolicy, die trocken klingt, aber trotzdem durchgesetzt werden muss, weil Sie als Führungskraft die Inkarnation der Organisation sind.
Unangenehmes verglüht im Tagesgeschäft
Die Themen, die ein bisschen kribbelig sind, ein Hinweis, eine Kurskorrektur, eine kritische Rückmeldung, fallen bei reiner Spontankommunikation fast immer hinten runter. Ihr Job ist nicht, der beste Kumpel Ihrer Leute zu sein. Ihr Job ist, Leistungsfähigkeit zu erzeugen. Ohne Regeltermin fehlt schlicht der Ort, an dem diese Themen Platz haben, bevor sie in der Reibungshitze des operativen Alltags verglühen.
Der Vergleich mit anderen Teams schlägt zurück
Sobald Sie einen Kollegen haben, der One-on-Ones konsequent macht, merken das Ihre Mitarbeiter. Wenig Zeit vom Chef zu haben, ist einer der häufigsten Kündigungsgründe überhaupt. Wenn die Nachbarabteilung feste Termine im Kalender stehen hat und Ihre Leute nur wissen, dass man sich irgendwann zufällig trifft, ist die Kausalkette klar, und sie schreibt sich von allein.
Gute Stimmung reicht nicht
Vertrauen können Sie mir in einem eingeschworenen Team durchaus abkaufen. Das ist aber nicht der Punkt. Gute Stimmung ist kein hinreichender Beweis, dass Ihre Organisatzion wirksam genug arbeitet. Machen Sie One-on-Ones, nicht weil Sie misstrauen, sondern weil es der einzige verlässliche Ort ist, an dem Wichtiges nicht dem Zufall überlassen bleibt.
Bleiben Sie in Führung
Ihr Olaf Kapinski 🙂