612 „Führen ist doch nur Schinderei” – sagt meine Mama

“Führen ist doch nur Schinderei, tu dir das nicht an.” Das hat mir meine Mama im Urlaub gesagt, ganz beiläufig, zwischen Kaffee und Kuchen. Und für einen Moment dachte ich: Sie hat vielleicht sogar einen Punkt.

Dann kam ich wieder zu mir. Denn nein, sie hat keinen Punkt. Führen ist der wertvollste Job, den es in einem Unternehmen gibt, und in meiner Welt auch der spaßigste, wenn Sie angestellt arbeiten wollen.

Woher der schlechte Ruf kommt

Rechnen Sie nach: Es gibt schlicht mehr Mitarbeiter als Führungskräfte. Wenn Sie also in Ihrem Umfeld unterwegs sind, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die meisten Stimmen um Sie herum nicht aus der Führung kommen, sondern über sie schimpfen. Arbeit sei sowieso schlimm, Führungskräfte sowieso alles Schweine. Wenn Sie aber Ambitionen auf mehr haben, sollten Sie genau hier anfangen aufzupassen, wem Sie zuhören.

Mein Rat, unbequem, aber ehrlich: Wechseln Sie das Publikum. Wenn Sie freitags mit Leuten unterwegs sind, denen Sie Ihre Karriereideen lieber gar nicht erst erzählen, weil die eh nur abwinken, dann gehen Sie da nicht mehr hin. Suchen Sie sich den Circle of Trust, der zu dem passt, was Sie erreichen wollen.

Ist Führen wirklich härter?

Ja. Ganz klar ja. Aber nicht, weil Führungskräfte mehr arbeiten oder leiden, sondern weil sie Verantwortung tragen, die ein normaler Mitarbeiter nicht trägt. Ein Mitarbeiter, der ordentlich seinen Job macht, riskiert wenig. Eine Führungskraft mit einem Team von zehn Leuten verantwortet schnell ein Millionenbudget, und wenn es schiefgeht, hängt der eigene Bonus dran. Das ist ein anderes Spielfeld, mit größerem Feld, größerer Verantwortung und größerem Gestaltungsspielraum.

Der Praxistest: Die Teilhabe-Lüge

Es gibt einen Moment, der sofort zeigt, wer wirklich Führung will und wer nur redet. Stellen Sie sich vor, Ihr Unternehmen ruft zur Mitarbeit an einer neuen KI Strategie auf. Alle nicken, alle sagen “mach ich sofort”. Dann kommt der Satz: Freitag, 14 Uhr. Und plötzlich haben ganz viele doch keine Zeit.

Wer bei diesem Satz abspringt, hat sich gerade selbst verraten. 🙂 Wer bleibt und sagt “gut, dann verschiebe ich eben was Anderes”, zeigt Führungsmaterial. Genau da trennt sich Gelaber von echtem Engagement, und genau da sollten Sie als angehende Führungskraft zugreifen, wenn sich die Chance bietet.

Warum es jetzt wichtiger wird

Seit Anfang des Jahres sage ich es in schöner Regelmäßigkeit: Führen, Entscheiden, Verantwortung übernehmen, das sind die Fähigkeiten, die wirklich noch gebraucht werden. Viele reine Ausführungsjobs verschwinden gerade, leise und ohne große Ankündigung. Wessen Job ein Prompt ist, ist raus, das wissen viele nur noch nicht.

Halten Sie sich von den Miesmachern fern, auch wenn es die eigene Mama ist. Ich diskutiere mit meiner nicht mehr über das Thema, aus Respekt vor ihrer Erfahrung, aber auch aus Überzeugung, dass ich hier bin, um genau das Gegenteil zu zeigen: gute Führung, die wirkt.

 

Bleiben Sie in Führung
Ihr Olaf Kapinski 🙂