611 Warum sich Arbeiten so gut anfühlt

Der Algorithmus hat mir in den letzten Monaten ziemlich deutlich gesagt, dass ich ein Vollidiot bin. Und wahrscheinlich Sie auch, wenn Sie hier mitlesen. Wer noch arbeitet statt steuerfrei in Dubai zu residieren oder von sozialer Umverteilung zu träumen, gilt in bestimmten TikTok Bubbles offenbar als der Dumme im Raum. Zeit für einen Gegenentwurf.

Der Ausbeutungs-Mythos

Ein zentraler Denkfehler zieht sich durch viele dieser Debatten: Arbeit wird mit Ausbeutung gleichgesetzt. Das funktioniert nur, wenn man die Freiwilligkeit der Berufswahl komplett ausblendet. Niemand steht mit einer abgesägten Flinte hinter Ihnen. Sie haben sich für diesen Job entschieden, so wie Sie sich für Ihr Haus, Ihre Familie, Ihren Hund entschieden haben. Wer das anzweifelt, sollte sich fragen, warum er die Butze dann nicht einfach verkauft.

Was Arbeitslosigkeit wirklich zeigt

Der beste Gegenbeweis gegen die These “Arbeit ist doof” ist Arbeitslosigkeit selbst. Wer sie erlebt hat, weiß: Es ist nicht das fehlende Geld, das am meisten schmerzt, es ist die Sinnlosigkeit des Daseins. Die Studienlage bestätigt das übrigens auch, entgegen dem, was Gewerkschafter gerne erzählen: Arbeitslose leiden vor allem am Ausschluss aus dem Wir, nicht an der Höhe des Arbeitslosengelds.

Beitrag statt Broterwerb

Für die allermeisten Zuhörer dieses Podcasts ist Arbeit längst kein reiner Broterwerb mehr. Das Gehalt muss stimmen, klar, aber aus hygenischen Gründen, nicht aus Überlebensgründen. Der eigentliche Antrieb ist ein anderer: Beitrag leisten, etwas erschaffen, wirksam sein. Ein einfacher Test dafür: Wie viel von Ihrem Job würden Sie auch ohne Bezahlung machen? Wer bei null landet, hat den falschen Job. Wer etwas findet, hat seine Antwort.

Große Kugeln schieben

Interessant ist eine Beobachtung aus der Praxis: Je kleiner das Unternehmen, desto öfter hört man von Führungskräften den Satz “Ich mache das, um die Welt zu verbessern”. Bei Konzernführungskräften kommt das seltener vor, das Gehalt ist dort oft das Schmerzensgeld für einen kaum sichtbaren eigenen Beitrag. Im Berufsleben lassen sich, mit der richtigen Unternehmensgröße, größere Kugeln schieben als im Privatleben allein. Das ist ein Wert, den man nicht kleinreden sollte.

Leben strich Führen, nicht Leben minus Führen

Der Name dieses Podcasts ist Programm: Leben strich Führen, nicht Leben minus Führen. Arbeit ist nichts Schmutziges, kein notwendiges Übel neben dem “echten” Leben. Sie ist ein Ort, an dem Sie fertige Dinge schaffen können, richtig fertig, nicht nur zwei Haken im Excel. 🙂 Halten Sie sich fern von Leuten, die Ihnen eine andere Geschichte erzählen wollen, gerade als Führungskraft. Und falls Sie gerade denken, bei Ihnen sei das anders, weil über Ihnen nur Politik gemacht wird: Am 28. August 2026 gibt es dazu ein kostenloses Stars Meeting mit dem Titel “Warum es keine Politik im Büro gibt”. Anmeldung über leben-führen.de.

 

Bleiben Sie in Führung
Ihr Olaf Kapinski 🙂